Die Tränen der harten Männer
November 1, 2009
Zurück in Dresden gibt es so viel zu entdecken. So machte ich mich am gestrigen Samstagnachmittag mit Susi und Pisti auf den Weg, das neue Stadion nebst Spiel Dynamo (“Namo” für Insider) gegen Unterhaching anzuschauen.
Natürlich war Treffpunkt Ackis Bierstube, die letzte Bastion bier- und schnapsgetränkter Gemütlichkeit gegenüber der harten und kalten Modernität, repräsentiert durch die Gläserne Manufaktur des guten VW-Werks. Im Riesenpulk grauer Massen mit einem farblichen Accessoire – dem schwarz-gelben Schal – hatte ich anfängliche Schwierigkeiten meine Kampfgenossen ausfindig zu machen. Doch Susi hatte noch viel größere Hürden zu überwinden. Sie kam mit dem Fan-Bus angefahren, und war schon vor ihrem Eintritt ins Stadion vollkommen benebelt durch die alkoholgetränkten Ausdünstungen ihrer Mitreisenden, die sie an der Haltestelle beim Aussteigen fröhlich gröhlend mitschleiften.
Im Stadion selber – hübsch isses geworden – konnten wir wählen zwischen alkoholfreiem Bier und Kinderpunsch, mit Alkohol ist man sehr vorsichtig geworden.
Natürlich hatten wir Karten für den K3-Block geholt, muss wohl die tollste Stelle im Stadion sein, da man ja stehen darf… Diesen Gedanken hatten wohl auch alle anderen 16.000 Dresden-Fans, die sich mit uns in die Fankurve quetschten, und alle anderen Blocks (sitzen kann ja jeder…) recht unbesetzt aussehen ließen. Besagter K3-Block befindet sich direkt hinter einem der beiden Tore. Freundlich wurde der gegnerische Torwart sogleich mit einem aufmunternden “Da steht ein Arschloch im Tor” begrüßt.
Das folgende Spiel war eine saftige Niederlage für die Dresdner Mannschaft, auch der Ansporner, der im Minutentakt zu neuen Klatschspielen und Rundgesängen aufforderte (“Dynamo, Dynahamoo, mir stehn zu unsrer Mannschaft is doch gloar”) konnte dem Spiel keine entscheidende Wendung verschaffen. Die lyrisch ausgefeilten Texte der Fanlieder überzeugten die spielende Mannschaft wohl nicht, sodass sich die gelben Jungs von den weißen Jungs schließlich unter vielen Schulterklopfern und Klapsen auf den Hintern mit einem 0:2 trennen mussten.
Der Fan im Fanblock ließ sich angesichts eines solchen Spiels und eines solchen Ergebnisses nicht mehr wirklich von den, dem Team ewige Treue schwörenden, Liedern überzeugen und verließ murrend seinen Stehplatz. Recht verhalten verließ die Meute die Kampfarena, während einzig und allein ein sehr derangierter Dresdner Torwart seinen Torpfosten nicht verlassen wollte, die Gedanken in ewige Ferne abgeschwiffen.
Für Susi und mich hat der Tag viel Neues gebracht. Viel neues Liedgut und vor lauter Inhalt explodierende Sinnsprüche, die man praktisch in jeder Lebenslage mindestens einmal anbringen kann und auch sollte.
Das Stadion wird uns wiedersehen!
die jahreskarte wird auch bald gekauft
denn schließlich: wir stehn zu unsrer mannschaft, ist doch klar