Wer übrigens einen Kiwi oder einen kleinen Hobbit mitgebracht haben möchte, der möge sich in die Liste neben meinem Sprechzimmer eintragen oder meinem Sekretär Bescheid geben.

Ich werde versuchen, die einen wie die anderen lebend in die andere Hemisphäre zu transportieren, versprechen kann ich aber nichts, zur Not werden sie ausgestopft und ins Regal gestellt. Dann müsst Ihr auf den Hobbit als Haushaltshilfe eben verzichten!

Ja Ihr Kleinen - Ihr kommt alle mit!

Ja Ihr Kleinen - Ihr kommt alle mit!

Auch Du wirst die große Tante begleiten

Auch Du wirst die große Tante begleiten

Kuriose Nachtgeschichten

November 23, 2009

In Frankreich habe ich ein gutes Buch gelesen: “Tender Bar” von J.R. Moehringer. Darin wird die Liebe eines Mannes zu einer Bar beschrieben, die er schon als Junge kennenlernt, und die ihn Zeit seines Lebens nicht loslässt. Die Erfahrungen, die er dort macht, werden sein ganzes Leben bestimmen und er kehrt immer wieder an diesen Ort zurück, auch nach noch so vielen Jahren, auch nach Um- und Entzug.

Als ich dieses Buch las, wurde ich ständig an eine Bar in Dresden erinnert. Trotz erschlagender Vielfalt kommt man in der Dresdner Neustadt um eine Bar nicht herum. Ich muss nicht einmal erwähnen, dass diese Bar den Namen eines Filmes trägt und trotzdem werden alle Dresdner Leser sofort wissen, um welche Lokalität es sich dreht.

Diese Bar zieht verlorene und auch weniger verlorene Seelen aus allen Kreisen an. Eine hohe Frequenz dieses Ortes hat nicht immer zwingend etwas mit gesteigertem Alkoholismus zu tun, obwohl es diesen auch hier nicht ausschließt. Was vielmehr fasziniert ist die Mischung aus Wahnsinn, Easy-going, Spannung und Entspannung.

Es gibt Momente, in denen man die Bar betritt und es gähnen einem unsagbare Leere oder völlig unbekannte Gesichter an. Dann kommen aber auch Zeiten, und das kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern, da braucht man für die zwei Meter zur sanitären Anlage drei Stunden, da man entweder ständig grüßt oder weil man sich an den Sensationslustigen, die sich in einem Durchgang von einem Meter in fünf Reihen stapeln, vorbeischieben muss.

Die Bar zieht Trinker wie Liebessuchende (wie oft wurde nicht schon auf dem Sofa in der hintersten Ecke geknutscht, oder gar im “Waschraum” auf dem Weg zur Örtlichkeit), Absackerbegeisterte wie Schlafgestörte, u.v.m. an.

Alle erliegen sie dem Bann der Bar und bleiben gefesselt bis in den Morgen sitzen und lassen sich berauschen, und das nicht immer ausschließlich vom Alkohol. So folgt dann oft der Schreck, wenn man nach einem vermeintlich kurzen Besuch (“…aber heute bleiben wir nicht so lange…”) in den sonnigen Morgen bzw. frühen Mittag tritt, sich nach dem kurzen Schreck aber schnell wieder erholt und mit einem Kaffee in der Hand der Sonne entgegen nach Hause wandert (glücklicherweise wohne ich im Osten Dresdens, sonst würde mir dieses Erlebnis vollkommen verwehrt bleiben).

Diese Bar funktioniert nach ihren eigenen Regeln, die sich einem erst vor Ort eröffnen und auch nur dort erklären lassen. Man kann einem Außenstehenden das Besondere der Bar nicht erklären, ohne als verkappter Alki zu gelten, aber es steckt mehr dahinter und das wird mir jeder bestätigen können, der diese Bar kennt und auch ohne Nennung des Namens erkannt haben wird.

Der November schreitet voran – viel Neues passiert nicht. Meine Tage verbringe ich zwischen Planwirtschaft, Bett und Bibliothek.

Jeder, der das Glück hat, in Dresden zu studieren, kennt das Dilemma der SLUB, entweder lernt man, oder man stört. Es ist eine Gratwanderung, die regelmäßig in die falsche Richtung abdriftet. Ich stelle die gewagte Behauptung auf – ja, steinigt mich ruhig dafür – dass 90% der Zombies hier nicht mit dem Ziel herkommen zu streben und Wissen anzuhäufen, sondern um Kaffee zu trinken oder für andere fragwürdige Dinge. Bei mir sieht die Sache ja natürlich ganz anders aus, ob meines fehlenden Schreibtisches zu Hause. ;)

Im Übrigen ist es sehr angenehm, der kalten Realität da draußen zu entfliehen und sich in den Tiefen des Mikrokosmos’ Bibliothek zu vergessen.

So verbringe ich einen Großteil meines Tages im tiefen, dunklen Bunker. Vom Kaffeeschock, plötzlichen Schlafattacken und Lagerkoller war schon alles dabei.

Doch zu meinem Glück entkomme ich diesem Inferno in zwei Wochen nochmal kurzzeitig. Dresden hat sich mit seinem kalten Wetter nicht sehr viel Mühe gegeben, mich hierzubehalten, deswegen geht es für mich eben zurück in den Sommer nach Neuseeland. Dort werde ich mich auf die Spuren von Frodo & Co. begeben und Kiwivögel bzw. Schnepfensträuße jagen. Rückkehr ist für Heiligabend geplant, aber natürlich nur, wenn hier der Schnee meterhoch liegt!

Zurück in Dresden gibt es so viel zu entdecken. So machte ich mich am gestrigen Samstagnachmittag mit Susi und Pisti auf den Weg, das neue Stadion nebst Spiel Dynamo (“Namo” für Insider) gegen Unterhaching anzuschauen.

Natürlich war Treffpunkt Ackis Bierstube, die letzte Bastion bier- und schnapsgetränkter Gemütlichkeit gegenüber der harten und kalten Modernität, repräsentiert durch die Gläserne Manufaktur des guten VW-Werks. Im Riesenpulk grauer Massen mit einem farblichen Accessoire – dem schwarz-gelben Schal – hatte ich anfängliche Schwierigkeiten meine Kampfgenossen ausfindig zu machen. Doch Susi hatte noch viel größere Hürden zu überwinden. Sie kam mit dem Fan-Bus angefahren, und war schon vor ihrem Eintritt ins Stadion vollkommen benebelt durch die alkoholgetränkten Ausdünstungen ihrer Mitreisenden, die sie an der Haltestelle beim Aussteigen fröhlich gröhlend mitschleiften.

Im Stadion selber – hübsch isses geworden – konnten wir wählen zwischen alkoholfreiem Bier und Kinderpunsch, mit Alkohol ist man sehr vorsichtig geworden.

Natürlich hatten wir Karten für den K3-Block geholt, muss wohl die tollste Stelle im Stadion sein, da man ja stehen darf… Diesen Gedanken hatten wohl auch alle anderen 16.000 Dresden-Fans, die sich mit uns in die Fankurve quetschten, und alle anderen Blocks (sitzen kann ja jeder…) recht unbesetzt aussehen ließen. Besagter K3-Block befindet sich direkt hinter einem der beiden Tore. Freundlich wurde der gegnerische Torwart sogleich mit einem aufmunternden “Da steht ein Arschloch im Tor” begrüßt.

Das folgende Spiel war eine saftige Niederlage für die Dresdner Mannschaft, auch der Ansporner, der im Minutentakt zu neuen Klatschspielen und Rundgesängen aufforderte (“Dynamo, Dynahamoo, mir stehn zu unsrer Mannschaft is doch gloar”) konnte dem Spiel keine entscheidende Wendung verschaffen. Die lyrisch ausgefeilten Texte der Fanlieder überzeugten die spielende Mannschaft wohl nicht, sodass sich die gelben Jungs von den weißen Jungs schließlich unter vielen Schulterklopfern und Klapsen auf den Hintern mit einem 0:2 trennen mussten.

Der Fan im Fanblock ließ sich angesichts eines solchen Spiels und eines solchen Ergebnisses nicht mehr wirklich von den, dem Team ewige Treue schwörenden, Liedern überzeugen und verließ murrend seinen Stehplatz. Recht verhalten verließ die Meute die Kampfarena, während einzig und allein ein sehr derangierter Dresdner Torwart seinen Torpfosten nicht verlassen wollte, die Gedanken in ewige Ferne abgeschwiffen.

Für Susi und mich hat der Tag viel Neues gebracht. Viel neues Liedgut und vor lauter Inhalt explodierende  Sinnsprüche, die man praktisch in jeder Lebenslage mindestens einmal anbringen kann und auch sollte.

Das Stadion wird uns wiedersehen!

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