Wie schnell die Zeit vergeht – wenn man Spaß hat…
August 13, 2010
Ganz schön eingeschlafene Sache, dieser Blog hier. Liegt vielleicht am unaufgeregten Leben, das ich zu ertragen habe, oder am kompletten Gegenteil…
Auf jeden Fall ist seit dem letzten Eintrag verschwindend wenig passiert. Ich habe meine zwei Koffer gepackt und bin umgezogen in eine neue WG mit meiner Freundin Sabrina. Die Wohnung war wirklich schön, bis sie am 14. Mai durch die Einweihungsfeier komplett zerstört wurde. Wenigstens ist uns noch der Alkohol von der Feier geblieben. Den können wir verkaufen und auf neues Mobiliar sparen.
Außerdem ließ es sich langsam nicht mehr vermeiden, dem Ende meines Studiums zuzusteuern, leider. Die ersten großen Prüfungen sind mittlerweile durch, der Rest kommt bald. Das Ende des seligen Nichtstuns naht unerbittlich.
Der Gastronomie habe ich nun endgültig den Rücken zugekehrt und richte mich grad häuslich in der Rolle als Nur-Gast ein, ein sehr angenehmes Unterfangen.
Der Sommer begann und langsam fing das Sommerloch an, mir zu drohen. Ein ganzer Monat ohne Arbeit und Lernerei wartete auf mich, also entschloss ich mich spontan, noch eine Reise dazwischenzuwerfen.
So machte sich die dreiköpfige Reisegruppe „Fernost“ bestehend aus Stefan, Micha und mir am 1. Juli auf, Südostasien zu verunsichern.
Die erste Woche verbrachten wir im Norden von Thailand, in Chiang Mai, einem „thailandisch gemütlichen“ Städtchen, vollgestopft mit internationalen Bewohnern. Auf diese Weise konnte auch die Fussball-WM gebührend zu Ende gebracht werden.
Dann ging es Richtung laotischer Grenze. In einer abenteuerlichen Aktion, die eher an Flüchtlingstransport denn an Ausreise erinnerte, überquerten wir den Mekong und reisten in Laos ein. Zwei Tage lang schipperten wir daraufhin mit einem Holzboot über den Mekong und sahen eigentlich alles Wichtige: Elefanten, angeleinte Fische, nackte Laotenjungs und Mädchen mit Macheten.

Rausgeworfen wurden wir in Luang Prabang, einer Stadt, die noch sehr an den vergangenen französischen Kolonialismus erinnert. Hier blieben wir 4 Tage und verbrachten unsere Tage zwischen Tempeln (Wats) und Night Market.
Zum Schluss ging es zu einem großen Wasserfall, der auch beschwimmbar war. Mich hielt es nicht allzu lang im Wasser, nachdem gefühlte 1000 Fische anfingen, an meiner offenen Verbrennungswunde zu nagen.
Am nächsten Tag stand Siem Reap in Kambodscha auf dem Plan, ein tolles Land, in dem man schon am Flughafen von 15 uniformierten und sehr, sehr ernst und wichtig dreinguckenden Menschen begrüsst wird.
Siem Reap liegt direkt neben den Tempeln von Angkor, die natürlich auch auf dem Plan standen. Mit dem erschwinglichen Zweitagesticket von 40 Dollar in der Hand betraten wir die Riesenanlage, die einen fast erschlägt. Tausende Tempel, die sich ähneln und zum „Glück“ sehr weit auseinander liegen.
Darum beschränkten wir uns am ersten Tag auf Angkor Thom und den Tomb-Raider-Tempel Ta Phrom, der eher an einen Abenteuerspielplatz erinnert, in dem sich, Gerüchten zufolge, schon viele Reisegruppen verloren haben…
Angkor Wat haben wir uns für den nächsten Tag aufgehoben, eine Riesenanlage, die einen fast erschlägt. Ich persönlich empfinde den Generaleindruck am schönsten und die Touristenmassen im Tempel eher störend. Die sengende Hitze macht das Ganze nicht unbedingt einfacher.
Alles in allem sind die Angkor Tempel sehr beeindruckend, doch erliegt man schnell einer gewissen Tempelmüdigkeit.
Also schnell zurück nach Siem Reap, wo sich einem Schauspiele ganz anderer Art boten: Angebote jeglicher Art von Drogen und käufliche Liebe an jeder Ecke. Was will man mehr…
Und die Wahnsinnsfahrt ging weiter… Zunächst mit dem Bus nach Bangkok, von wo wir entspannt mit dem Nachtzug in den thailändischen Süden fahren wollten, um uns von den Strapazen der Busfahrt von Kambodscha nach Thailand zu erholen. Das Schicksal hasst uns wohl, zumindest scheint es alle Plätze im besagten Zug für sich gebucht zu haben, sodass wir keinen Platz mehr fanden. Also zu Plan B umgeschwenkt und noch eine Busfahrt gebucht, diesmal entspannte 14 Stunden. Zudem mit einer Abschlussklasse verwöhnter englischer Bälger. Schön ist anders, doch was soll’s…
Schlussendlich kamen wir tatsächlich an, auf Ko Phi Phi zunächst, die Insel, die jeder kennen wird, der mal zum nahegelegenen Maya-Beach („The Beach“) gepilgert ist. Phi Phi versucht noch krampfhaft, das Image einer entspannten Hippie-Insel aufrechtzuerhalten – vergebens. Die Insel empfängt alle Spaß- und Sauftouristen, denen Ibiza und Mallorca zu langweilig geworden sind. Den ganzen Tag sieht man neonfarbenbeschmierte, eimersaufende Sinnlostouristen, die fleißig am Hautkrebs arbeiten. Zugegeben – darin sind sie wirklich gut. Wir versuchten, die ganze Szenerie ein wenig zu ignorieren und amüsierten uns mit schnorcheln und paddeln und reisten nach 2 Tagen wieder ab.
Nun sollte es zu einer Halbinsel gehen, die für ihre Kletterfelsen berühmt ist, nach Railay. Ein Paradies dazu, denn durch die Nebensaison und den Mangel an hippen Parties sahen wir nur entspannte und vor allem nur wenige Touristen. Eine sensationelle Natur und entspannte Leute – perfekt. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mich mal im Klettern zu versuchen, am Ende hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch hier zu Hause meinen Ehrgeiz dahingehend vorantreiben werde.
Am zweiten Tag kam uns außerdem Manu, Michas Schwester, aus Chiang Mai besuchen. Mit ihr verlebten wir ein paar lustige Tage, bevor wir zusammen Railay verließen, um nach Phuket zu fahren, da von dort ihr Flug nach Chiang Mai am nächsten Tag starten sollte.
Jeder, der meint, Phuket sei in seinem Tourismus ziemlich einseitig ausgerichtet als Partnerbörse für männliche Europäer liegt vollkommen falsch! Es gibt doch noch so viel mehr… wunderschöne Travestieshows, Ping-Pong-Shows, Mouse-Shows etc. Wunderschön!
Doch nach wenigen Tagen verließen wir auch diesen Ort, um zur letzten Etappe unserer Reise zu fliegen: zurück nach Bangkok. Hier erschlug einen die Reizüberflutung vom ersten Moment an, egal wo. Ob in Chinatown mit seinen Lebensmittelmärkten, im Durcheinander pinker, gelber oder grüner Taxis, auf dem Nightmarket, ob im dekadenten Luxus einer Bar im 56. Stockwerk eines Nobelhotels oder im Rotlichtviertel Padpong in einer Ping-Pong-Show, welche bei mir tiefe Traumata hinterlassen hat.
Zur Ruhe kommt man in dieser Stadt nicht, ist deshalb aber nicht minder sehenswert!
Schließlich ging es am 31. Juli wieder zurück nach Hause. Hinter uns lag ein wunderschöner Urlaub mit tausend neuen Eindrücken und interessanten Erfahrung.
Einmal ans Ende der Welt und zurück – bitte!
Dezember 28, 2009
Bin mal wieder angekommen – und bleibe jetzt auch für länger.
Der Urlaub ist vorbei und es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mal wieder dem Alltag in Dresden zu widmen. Aber schön wars… Ein bisschen habe ich ja bereits berichtet, als ich noch vor Ort weilte, hier noch einen kurzen Abriss hinterhergeschoben:
Nach einer viel zu langen Reise bin ich am 1. Dezember in Auckland angekommen. Interessante Stadt, vor allem die Kombination Wolkenkratzer-Altbau, die sich in allen Großstädten Neuseelands wiederholt, hat ihren ganz eigenen Reiz.
Von Auckland ging’s dann los mit einem gemietenen Campervan, zunächst runter nach Hamilton für 2 Tage. Dort stürmte ich die in der Nähe befindlichen Waitomo-Caves und paddelte durch die Glühwürmchen-Höhle – sensationell, konnte nur leider keine Fotos machen.
Über Raglan (total relaxter kleiner Surferort – verführt sehr zum Dableiben) ging es dann nach Turangi am Tongariro Nationalpark. Auch wenn ich aus der ganzen Wandersache total raus bin, musste ich mich wenigstens auf eine Tour begeben, die Tongariro Alpine Crossing Tour, die einen durch wilde Vulkanlandschaft und um den Gipfel des Mt. Ngauruhoe (Schicksalsberg) lotst. Ich und meine Lungen merkten sofort, dass man es bei solch einer Tour als Ungeübter nicht leicht hat, aber toll war es allemal!
In Turangi habe ich eigentlich die geselligste Zeit gehabt, im dortigen Camp mit zwei Österreichern und einem Dänen. Doch die Zeit vergeht ja bekanntlich sehr schnell, wenn man Spaß hat, so ging es nach 3 Tagen auch schon wieder weiter – nach Wellington, und von dort 2 Tage später mit der Fähre auf die Südinsel. Windy-Wellington fetzt schon, wäre da nur nicht dieser konstant mitreißende Wind.
Auf der Südinsel wurde von mir zunächst die Marlborough-Weinregion für einen Abend attackiert, Neuseeland hat neben einer sensationellen Natur auch sehr gute Weine zu bieten, doch man soll ja nicht immer alles glauben, was einem erzählt wird, deshalb überzeugte ich mich von der Qualität des Weines lieber persönlich, und – Test bestanden…Zum Ausruhen ging es dann für 3 Tage in den Abel Tasman Nationalpark, nach Motueka. Eine kleine Wanderung führte mich entlang des Abel Tasman Coast Track, natürlich nur das erste Tausendstel der Strecke, in der Appletree-Bay legte ich mich dann lang:
Als nächstes standen die Gletscher auf der Südinsel auf dem Plan, also ging es nach Franz Josef zum gleichnamigen Gletscher. Mit einer Gruppe und Spikes an den Schuhen gings dann rauf auf den Gletscher, nicht sonderlich weit, aber weit genug um mal einen kleinen Eindruck zu erhalten.
Die Gletscher im Rücken ging es dann durch die Alpen nach Queenstown, eine Stadt, die vor allem für ihr ausuferndes Angebot an Extremsportarten bekannt ist, und von dort zur vorletzten Station – nach Christchurch. Christchurch soll die wohl englischste Stadt in ganz Neuseeland sein, was sehr nachvollziehbar ist, geht man dort so durch die Straßen.
Doch auch der entspannteste Urlaub geht mal vorbei, am 21. Dezember brach ich die Zelte in Christchurch ab, flog nach Auckland, um dort einen Tag später nach Bangkok zu fliegen.
Dort hatte ich einen sehr langen Aufenthalt, zudem einen nächtlichen, sodass ich diese Zeit nicht auf dem Flughafen, sondern in einem Hotel verbrachte. Ausgeruht ging es am nächsten Tag zurück nach Frankfurt.
Der Flug Thailand – Deutschland war der amüsanteste. Stellt Euch ein Flugzeug voll mit mehr oder weniger heiratswilligen Männern vor, die braungebrannt von ihren „Bootstouren“ in Thailand zurückkehren. Neben zwei derartigen Exemplaren hatte ich das Vergnügen, meinen 12stündigen Flug zu verbringen. Innerlich war es mit meiner Beherrschung vorbei, als er das Buch „Thailand-Fieber“ („…Sie haben ein tolles thailändisches Mädchen kennengelernt?…!) auspackte und darin zu lesen begann. Aber zugegeben: praktische Lektüre, dieser Schmöker ist der perfekte Berater für junge, „verliebte“ germano-thailändische Pärchen. Auch mit der normalsten Frage/ Problem wird sich auseinander gesetzt, sodass am Ende alle Unklarheiten ausgeräumt sind („Muss ich mich als Prostituierte fühlen?“, „Warum ist er so geizig?“, etc.). Noch mit Lachtränen in den Augen verließ ich schließlich das Flugzeug.
Die 50stündige Reise war endlich vorbei, als ich am Morgen des Heiligabend in Dresden aus dem Zug stieg. Hinter mir lag ein schöner Urlaub in einem sensationellen Land.
Der erste Kiwi ist schon handlich abgepackt und verstaut…
Dezember 14, 2009
Heute gibt’s mal weniger zu lesen, dafuer mehr aufs Auge. Hier ein paar Bilder vom Ende der Welt und mir…
Das wars erstmal von mir, morgen gehts auf den Franz Josef Gletscher, mal sehen, wieviel der aushaelt…
Liebe Gruesse!!!
Ozonloch schafft Sonnenbrand
Dezember 8, 2009
Irgendwann werde ich hier auf der Strasse nochmal toedlich verungluecken, beim Ueberqueren der Fahrbahn gucke ich generell in die falsche Richtung, ob sich ein Auto halsbrecherisch naehert. Warum fahren sie hier auch auf der falschen Seite der Strasse?
Ich lebe immer noch, auch die Vulkanwanderung im Tongariro Nationelpark (wir erinnern uns: Mt. Doom aus Lord of the Rings) habe ich ueberstanden, wenn auch mit schmerzenden Gliedmassen.
Auch die uebringen Gefahren hier sollte man nicht unterschaetzen, ein kurzer Aufenthalt in der Sonne wird schon unvergesslich durch das folgende Ziehen und Brennen des Skalpes. Aber was einen nicht umbringt… und wenigstens die anderen haben etwas zu lachen.
Im Moment befinde ich mich Naehe Wellington, von wo aus ich uebermorgen mit der Faehre auf die Suedinsel uebersetzen werde, um dort weiterzuflitzen. Auf dem Programm stehen noch die Weinregion in Marlborough, Strand, Gletscher und schliesslich Christchurch, von wo ich am 21. Dezember wieder nach Auckland zurueckfliege.
Gehabt Euch wohl!
Noch kein Kiwi in Sicht
Dezember 2, 2009
Nach einer ewigen Reise, die man seinem schlimmsten Feind nicht wuenscht, bin ich endlich am Ende der Welt angelangt. Ich muss jetzt ganz nah am Rand der Erdscheibe sein, aufs Meer werde ich mich daher nicht trauen, aus Angst, runterzufallen.
Der erste Flug von Frankfurt, der 10 Stunden dauerte, verging sehr schnell. Auch mein deutscher Nachbar, der sich die ganze Zeit auf franzoesisch mit mir unterhalten wollte, konnte mich nicht vom schlafen abhalten. In Bangkok angekommen, versuchte ich irgendwie die 7 Stunden Wartezeit rumzukriegen, mit Kaffeetrinken, in der Gegend rumlungern bzw. rumtrotten. Endlich ging es aber auch von dort wieder los, ins Flugzeug nach Auckland. Auch hier hoffte ich auf einen langanhaltenden Schlaf, wie beim ersten Flug, doch das Multimedia-Angebot war zu umfangreich, sodass ich mir in den folgenden 11 Stunden meinen Schlaf mit fuenf Filmen raubte. „Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man Spass hat… “ So auch diesmal…
Endlich kam ich in Auckland an, musste aber auch hier am Flughafen noch eine gefuehlte Ewigkeit warten, diesmal vornehmlich in Warteschlangen, erst bei der Passkontrolle, dann bei der Biosicherheit (da Neuseeland eine Insel ist, will man sich hier vor allen schaedlichen Einfluessen schuetzen: Essen, Pflanzen und Dreck duerfen nicht eingefuehrt werden, sodass ich freundlicherweise meine Wanderschuhe vom Dreck befreit wieder ausgehaendigt bekam.
Danach gings gleich ins Hotel, wo ich versuchte mein Schlafdefizit der vergangenen 48 Stunden nachzuholen.
Heute, also Mittwoch, ging’s gleich raus an die frische Neuseeland-Grossstadt-Luft, um mal vom Wetter so richtig enttaeuscht zu werden: Regen! Also gleich ins Kino, um trocken zu bleiben. Doch irgendwann geht auch der laengste Film zu Ende, auch die Zeit im Internetcafe ist endlich, sodass ich mich gleich wieder ins Wetter hinaustrolle.
Ihr seht, ich habe Spass und lebe noch!
Bis bald!
Bestellwünsche können abgegeben werden
November 26, 2009
Wer übrigens einen Kiwi oder einen kleinen Hobbit mitgebracht haben möchte, der möge sich in die Liste neben meinem Sprechzimmer eintragen oder meinem Sekretär Bescheid geben.
Ich werde versuchen, die einen wie die anderen lebend in die andere Hemisphäre zu transportieren, versprechen kann ich aber nichts, zur Not werden sie ausgestopft und ins Regal gestellt. Dann müsst Ihr auf den Hobbit als Haushaltshilfe eben verzichten!
Kuriose Nachtgeschichten
November 23, 2009
In Frankreich habe ich ein gutes Buch gelesen: „Tender Bar“ von J.R. Moehringer. Darin wird die Liebe eines Mannes zu einer Bar beschrieben, die er schon als Junge kennenlernt, und die ihn Zeit seines Lebens nicht loslässt. Die Erfahrungen, die er dort macht, werden sein ganzes Leben bestimmen und er kehrt immer wieder an diesen Ort zurück, auch nach noch so vielen Jahren, auch nach Um- und Entzug.
Als ich dieses Buch las, wurde ich ständig an eine Bar in Dresden erinnert. Trotz erschlagender Vielfalt kommt man in der Dresdner Neustadt um eine Bar nicht herum. Ich muss nicht einmal erwähnen, dass diese Bar den Namen eines Filmes trägt und trotzdem werden alle Dresdner Leser sofort wissen, um welche Lokalität es sich dreht.
Diese Bar zieht verlorene und auch weniger verlorene Seelen aus allen Kreisen an. Eine hohe Frequenz dieses Ortes hat nicht immer zwingend etwas mit gesteigertem Alkoholismus zu tun, obwohl es diesen auch hier nicht ausschließt. Was vielmehr fasziniert ist die Mischung aus Wahnsinn, Easy-going, Spannung und Entspannung.
Es gibt Momente, in denen man die Bar betritt und es gähnen einem unsagbare Leere oder völlig unbekannte Gesichter an. Dann kommen aber auch Zeiten, und das kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern, da braucht man für die zwei Meter zur sanitären Anlage drei Stunden, da man entweder ständig grüßt oder weil man sich an den Sensationslustigen, die sich in einem Durchgang von einem Meter in fünf Reihen stapeln, vorbeischieben muss.
Die Bar zieht Trinker wie Liebessuchende (wie oft wurde nicht schon auf dem Sofa in der hintersten Ecke geknutscht, oder gar im „Waschraum“ auf dem Weg zur Örtlichkeit), Absackerbegeisterte wie Schlafgestörte, u.v.m. an.
Alle erliegen sie dem Bann der Bar und bleiben gefesselt bis in den Morgen sitzen und lassen sich berauschen, und das nicht immer ausschließlich vom Alkohol. So folgt dann oft der Schreck, wenn man nach einem vermeintlich kurzen Besuch („…aber heute bleiben wir nicht so lange…“) in den sonnigen Morgen bzw. frühen Mittag tritt, sich nach dem kurzen Schreck aber schnell wieder erholt und mit einem Kaffee in der Hand der Sonne entgegen nach Hause wandert (glücklicherweise wohne ich im Osten Dresdens, sonst würde mir dieses Erlebnis vollkommen verwehrt bleiben).
Diese Bar funktioniert nach ihren eigenen Regeln, die sich einem erst vor Ort eröffnen und auch nur dort erklären lassen. Man kann einem Außenstehenden das Besondere der Bar nicht erklären, ohne als verkappter Alki zu gelten, aber es steckt mehr dahinter und das wird mir jeder bestätigen können, der diese Bar kennt und auch ohne Nennung des Namens erkannt haben wird.
Erneute Flucht erst in tiefe und dann in ferne Welten
November 11, 2009
Der November schreitet voran – viel Neues passiert nicht. Meine Tage verbringe ich zwischen Planwirtschaft, Bett und Bibliothek.
Jeder, der das Glück hat, in Dresden zu studieren, kennt das Dilemma der SLUB, entweder lernt man, oder man stört. Es ist eine Gratwanderung, die regelmäßig in die falsche Richtung abdriftet. Ich stelle die gewagte Behauptung auf – ja, steinigt mich ruhig dafür – dass 90% der Zombies hier nicht mit dem Ziel herkommen zu streben und Wissen anzuhäufen, sondern um Kaffee zu trinken oder für andere fragwürdige Dinge. Bei mir sieht die Sache ja natürlich ganz anders aus, ob meines fehlenden Schreibtisches zu Hause.
Im Übrigen ist es sehr angenehm, der kalten Realität da draußen zu entfliehen und sich in den Tiefen des Mikrokosmos’ Bibliothek zu vergessen.
So verbringe ich einen Großteil meines Tages im tiefen, dunklen Bunker. Vom Kaffeeschock, plötzlichen Schlafattacken und Lagerkoller war schon alles dabei.
Doch zu meinem Glück entkomme ich diesem Inferno in zwei Wochen nochmal kurzzeitig. Dresden hat sich mit seinem kalten Wetter nicht sehr viel Mühe gegeben, mich hierzubehalten, deswegen geht es für mich eben zurück in den Sommer nach Neuseeland. Dort werde ich mich auf die Spuren von Frodo & Co. begeben und Kiwivögel bzw. Schnepfensträuße jagen. Rückkehr ist für Heiligabend geplant, aber natürlich nur, wenn hier der Schnee meterhoch liegt!
Die Tränen der harten Männer
November 1, 2009
Zurück in Dresden gibt es so viel zu entdecken. So machte ich mich am gestrigen Samstagnachmittag mit Susi und Pisti auf den Weg, das neue Stadion nebst Spiel Dynamo („Namo“ für Insider) gegen Unterhaching anzuschauen.
Natürlich war Treffpunkt Ackis Bierstube, die letzte Bastion bier- und schnapsgetränkter Gemütlichkeit gegenüber der harten und kalten Modernität, repräsentiert durch die Gläserne Manufaktur des guten VW-Werks. Im Riesenpulk grauer Massen mit einem farblichen Accessoire – dem schwarz-gelben Schal – hatte ich anfängliche Schwierigkeiten meine Kampfgenossen ausfindig zu machen. Doch Susi hatte noch viel größere Hürden zu überwinden. Sie kam mit dem Fan-Bus angefahren, und war schon vor ihrem Eintritt ins Stadion vollkommen benebelt durch die alkoholgetränkten Ausdünstungen ihrer Mitreisenden, die sie an der Haltestelle beim Aussteigen fröhlich gröhlend mitschleiften.
Im Stadion selber – hübsch isses geworden – konnten wir wählen zwischen alkoholfreiem Bier und Kinderpunsch, mit Alkohol ist man sehr vorsichtig geworden.
Natürlich hatten wir Karten für den K3-Block geholt, muss wohl die tollste Stelle im Stadion sein, da man ja stehen darf… Diesen Gedanken hatten wohl auch alle anderen 16.000 Dresden-Fans, die sich mit uns in die Fankurve quetschten, und alle anderen Blocks (sitzen kann ja jeder…) recht unbesetzt aussehen ließen. Besagter K3-Block befindet sich direkt hinter einem der beiden Tore. Freundlich wurde der gegnerische Torwart sogleich mit einem aufmunternden „Da steht ein Arschloch im Tor“ begrüßt.
Das folgende Spiel war eine saftige Niederlage für die Dresdner Mannschaft, auch der Ansporner, der im Minutentakt zu neuen Klatschspielen und Rundgesängen aufforderte („Dynamo, Dynahamoo, mir stehn zu unsrer Mannschaft is doch gloar“) konnte dem Spiel keine entscheidende Wendung verschaffen. Die lyrisch ausgefeilten Texte der Fanlieder überzeugten die spielende Mannschaft wohl nicht, sodass sich die gelben Jungs von den weißen Jungs schließlich unter vielen Schulterklopfern und Klapsen auf den Hintern mit einem 0:2 trennen mussten.
Der Fan im Fanblock ließ sich angesichts eines solchen Spiels und eines solchen Ergebnisses nicht mehr wirklich von den, dem Team ewige Treue schwörenden, Liedern überzeugen und verließ murrend seinen Stehplatz. Recht verhalten verließ die Meute die Kampfarena, während einzig und allein ein sehr derangierter Dresdner Torwart seinen Torpfosten nicht verlassen wollte, die Gedanken in ewige Ferne abgeschwiffen.
Für Susi und mich hat der Tag viel Neues gebracht. Viel neues Liedgut und vor lauter Inhalt explodierende Sinnsprüche, die man praktisch in jeder Lebenslage mindestens einmal anbringen kann und auch sollte.
Das Stadion wird uns wiedersehen!
Wahnsinn des Nächtens
Oktober 24, 2009
Mit meiner Rückkehr nach Dresden blieb auch der eine oder andere Besuch in der Neustadt nicht aus. Warum auch immer beging ich viel zu oft bisher den Fehler, mich recht wochenendnah dem besagten Viertel zu nähern. Wie schnell man doch vergisst in einem halben Jahr, das muss das viele Salz in der französischen Atlantikluft gewesen sein.
Wochenende und Neustadt – das passt so gar nicht. Da wird das Viertel zwischen Albertplatz und Alaunpark mal ganz schnell zum Riesenkaufhaus im Sommer-, Winter- oder Was-Auch-Immer-Schlussverkauf. Die Massen rasen durch die Straßen auf der Suche nach Shishas, Caipirinhas und billigen Anmachen.
Aber das Konzept geht wohl auf, jeden Freitag entleeren sich Züge, Busse und selbstgebaute Seifenkisten, um die Ladungen Menschen aus den umliegenden Dörfern abzuladen und sie sich ihrem Schicksal zu überlassen. Dann hallen die vierteleigenen Straßen und Gassen wider von rülpsenden und johlenden Idiotentypen und kreischenden und keifenden Weiberstimmen. Dieses völlig neue Elendsszenario lässt sich mit Worten nicht beschreiben, ist aber das Erleben auch nicht im Mindesten wert.
Nachts trifft man schließlich viele müde rurale Teens an, ihre normale Bettgehzeit schon um Lichtjahre überschritten, die sich mit leerem Blick auf die Schulter eines armen Freundes oder eines Fremden gestützt halten und ihrem totalen Ende entgegensegeln.
Das totale Ende manifestiert sich schließlich in Bergen von Vomiertem links und rechts vom Gehsteig und in auf Hauseingangsstufen eingeschlafenen Jugendlichen.
Aber anstatt ihre Verfehlung einzusehen und endlich wieder nach Hause zu fahren, bleiben sie auch das ganze Wochenende noch in der Stadt und terrorisieren mit ihren nachgereisten Großfamilien die hiesigen Riesenkaufhäuser auf der Suche nach „mal so richtig feschen Läden“. Zugegeben, am Ende trage ich einen großen Teil der Schuld, mich an einem Samstagnachmittag überhaupt in die Nähe unserer Einkaufszentren zu machen.
Aber der Mensch, so auch ich, ist lernfähig und bleibt zum Touristenandrang einfach zu Hause.




































